Café Intern@tional startet in Büchenbeuren

Ökumenisches Flüchtlingsprojekt soll Begegnung und Austausch ermöglichen

Büchenbeuren – Sie haben gesägt und gehämmert, gestrichen und dekoriert: Ehrenamtliche aus Büchenbeuren und im Dorf untergebrachte Flüchtlinge haben gemeinsam ein ökumenisches Pilotprojekt für Flüchtlinge auf die Beine gestellt: Das Café Intern@tional, das am 13. Juli um 15 Uhr in Büchenbeuren mit einer Andacht eröffnet wird. Direkt neben der evangelischen Kirche an der Hauptstraße gelegen, wird das Café neben einem Internetcafé auch einen kleinen Umsonstladen umfassen – Büchenbeurener und Flüchtlinge werden sich hier ehrenamtlich engagieren.

„Wir wollten einen Ort für Begegnungen zwischen Einheimischen und den hier untergebrachten Flüchtlingen schaffen. Im Café können sich die Leute kennenlernen, von ihrem Leben erzählen. Nebenbei werden so Vorurteile abgebaut“, sagt die evangelische Pfarrerin Sandra Menzel von der evangelischen Kirchengemeinde Büchenbeuren. Gemeinsam mit dem Dekanat Simmern-Kastellaun sei der Plan entstanden, sich verstärkt für die Flüchtlinge im Rhein-Hunsrück-Kreis einzusetzen. Allein im Jahr 2013 hatte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 156 Flüchtlinge im Kreis untergebracht, allein 70 davon in Büchenbeuren – einem Dorf mit rund 2.000 Einwohnern. Letztes Jahr im April sei es losgegangen, erzählt Menzel: „Damals standen plötzlich syrische Flüchtlinge in der Kirche, die Kontakt knüpfen wollten.“ Danach sei das Pfarrhaus häufig die erste Anlaufstelle für Alltagsprobleme und Fragen gewesen: „Wie geht das mit Arztbesuchen oder Behördengängen, wie komme ich nachts nach Simmern, wenn meine Frau ihr Kind bekommt? – Es ist schnell klar geworden, dass ein eigener Treffpunkt wünschenswert ist, wo einfach jemand da ist, der zuhört.“

Hinzu komme auch die Wohnsituation der Frauen, Männer und Kinder aus Krisenländern wie Syrien oder Afghanistan, erklärt Pastoralreferentin Anna Werle vom Dekanat Simmern-Kastellaun. In Büchenbeuren gebe es zwar viel leerstehenden Wohnraum, trotzdem lebten bis zu neun Personen in einer Wohnung. Viel Platz für Privatsphäre bleibe da nicht. „Was als Übergangslösung gedacht war, wird durch die Überlastung der Behörden mit den vielen Asylverfahren oft zum Dauerzustand“, sagt Werle. Das Café biete da einen Rückzugsort. „Eine unserer wichtigsten Seelsorge-Aufgaben heißt ‚Menschen eine Heimat geben’ und das gilt gerade für die, die bei uns Zuflucht suchen.“ Im nächsten Jahr erwarte der Kreis noch einmal 200 Flüchtlinge. „Also haben wir auf einer Fachkonferenz mit Diakonie, Caritas, Kirchenvertretern und Ehrenamtlichen beschlossen, uns besser zu vernetzen. Das klappt auch bis in die Kreisverwaltung hinein sehr gut.“ Bei einem Informationsabend in Büchenbeuren hätten viele Hunsrücker ihren ehrenamtlichen Einsatz angeboten und die Idee eines offenen Treffs sei geboren worden. „Ob jemand die Kosten für den Sportverein für einen jungen Syrer übernimmt, Kaffee im Café kocht oder im Umsonstladen eine Schicht übernimmt – es ist toll, wie viele Menschen mithelfen wollen“, sagt Werle. „Ökumene gibt es in vielen Bereichen, aber selten habe ich erlebt, dass man sich so schnell einig war. Hier wird Kirche konkret, hier wird was gemacht“, sagt Pfarrerin Menzel über die Flüchtlingsarbeit der beiden Kirchen. „Unsere Grundüberzeugung kann man auf ein Bibelwort zurückführen: ‚Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen.’“

Das Café Intern@tional wird geöffnet sein montags, mittwochs und freitags von 15 bis 18 Uhr und dienstags von 10 bis 13 Uhr. Wer für das Café spenden möchte, kann das tun unter: Kreiskirchenamt, Kontonummer: 11230927, Stichwort/Zweck: Flüchtlingsarbeit Büchenbeuren bei der Kreissparkasse Rhein-Hunsrück, BLZ 56051790.

Mittwoch, 9. Juli 2014
Quelle: Bistum Trier