Ein Miteinander von Kulturen

Wochenspiegel

Seit Juni vergangenen Jahres haben Flüchtlinge eine Anlaufstelle in Büchenbeuren: Im Café International erhalten Männer, Frauen und Kinder nicht nur kostenlos Kleidung und Dinge des täglichen Bedarfs, sie haben hier auch einen Platz, an dem sie sich treffen können und wo es vor allem von den ehrenamtlichen Mitarbeitern Hilfe zur Integration gibt.

Begonnen hat alles, als im vergangenen Jahr drei Flüchtlinge aus Aleppo im evangelischen Gottesdienst erschienen und um Hilfe baten. Nach dem rasanten Anstieg an Flüchtlingszahlen in der Hunsrücker Ortsgemeinde – derzeit sind hier von knapp 1 700 Einwohnern 140 Flüchtlinge – war der evangelischen Kirchengemeinde klar, es muss sich etwas tun. So entstand die Idee von einem Ort der Begegnung für Flüchtlinge und Einheimische gleichermaßen.

Schnell viele Helfer gefunden

»Die Hilfe für die Neuankömmlinge war einfach nicht mehr leistbar über das Pfarramt, zum Glück haben wir schnell Ehrenamtliche gefunden, die uns hier unterstützen wollten«, blickt Sandra Menzel, Pfarrerin in Büchenbeuren, zurück. Mit dem Gebäude in der Hauptstraße 54 wurden auch geeignete Räumlichkeiten gefunden. Die Flüchtlinge finden hier ganz konkrete Hilfsangebote.

So wird in den Räumen eine professionelle Migrationsberatung von der Diakonie angeboten. Sie können sich kostenlos mit Bekleidung und Dingen des täglichen Bedarfs ausstatten. Es gibt einen Deutschkurs, den Ehrenamtliche anbieten, ein Internet-Café sowie Kaffee, Kuchen und Tee, die von ehrenamtlichen Mitarbeitern serviert werden. Auch eine professionelle Therapie für Traumatisierte wird von ehrenamtlichen Mitarbeitern angeboten. Hilfe gibt es auch beim Gang zum Amt, dem Ausfüllen von Formularen, etwa für die GEZ, oder der Anmeldung der Kinder in der Schule.

Wohnungssuche gestaltet sich schwierig

Ganz wichtig auch: Die Job- und Wohnungssuche. Gerade Letztere gestalte sich schwierig, weiß Menzel. »Wir sind immer auf der Suche nach Wohnungen für die Flüchtlinge, kleinen Appartements und WG-geeignet. Die Finanzierung dabei ist gesichert, es muss keiner Angst um die Miete haben«, appelliert sie.Mittlerweile engagieren sich im Café die Flüchtlinge selber, aber auch viele Einheimische, insgesamt rund 60 Menschen.

»Wir wollen Ängste abbauen durch Aufklärung«, betont Menzel. »Man sieht ja was in Dresden passiert, wo es keine Aufklärung gibt, keinen Kontakt zu den Leuten.« Integration geschehe durch ganz banale Kleinigkeiten, sagt die Pfarrerin, etwa wenn man den Flüchtlingen Mülltrennung erklärt. »Nicht dass es nachher heißt, die schmeißen einfach alles in den Hausmüll. In Somalia ist das Prinzip ja nicht bekannt.«

„Auf die Leute zugehen und Kontakt suchen“

Ganz offensiv auf die Leute zugehen, Kontakt suchen und halten, das sei wichtig. »Den Einheimischen erklären, warum diese Leute eigentlich hier sind, ist sehr hilfreich. Wir wollen so viele Menschen mit ins Boot holen wie möglich«, erklärt Sandra Menzel.Auch mit zahlreichen Aktionen versucht das Café-Team, Einheimische und Flüchtlinge zusammenzubringen, erzählt Bernd Mauerhof, der sich hier regelmäßig engagiert. So findet beispielsweise zweimal im Monat ein Kochabend statt, bei dem die Flüchtlinge landestypische Speisen kochen. Auch am Weihnachtsmarkt hat sich das Café schon präsentiert und der Büchenbeurer Kindergarten ist regelmäßig zu Gast im Café. In den örtlichen Sportvereinen dürfen die Neuankömmlinge kostenlos trainieren, sogar eine eigene Fußballmannschaft hat das Café mittlerweile, den FFC United Büchenbeuren. Die Mannschaft ist übrigens noch auf der Suche nach einem Trainer.

Unterschiedliche Kulturen und Einheimische kommen zusammen

Die Idee des Café International ist neben der Integrationshilfe ein Miteinander von unterschiedlichen Kulturen und gesellschaftlichen Gruppen zu schaffen. »Im Café ist jeder willkommen«, betont Anna Werle, Pastoralreferentin im Dekanat Simmern-Kastellaun. Jeder darf vorbeikommen, sich informieren und Kontakte knüpfen. »Wer eine Idee hat, sich engagieren möchte, darf sich gerne bei uns melden«, so die Referentin. Momentan wird ein Theaterstück unter Regie von Hotte Schneider geplant, ein interkulturelles Theater soll es werden. Dafür werden noch Darsteller im Alter von 16 bis 26 Jahren gesucht. Und wer ein Fahrrad abzugeben hat: Die werden im Café International dringend gebraucht. Weitere Informationen gibt es unter www.cafe-international-buechenbeuren.de.

Quelle: Wochenspiegel, 4.3.2015